Wenn Sie langfristig investieren, haben Sie wahrscheinlich schon gehört, dass "Kosten wichtig sind". Was viele nicht wissen: wie sehr sie wirklich zählen. Ein Kostenunterschied, der winzig erscheint — 1% gegenüber 0,1% — kann nach 25 oder 30 Jahren Zehntausende Euro weniger bedeuten. Hier erklären wir warum, mit echten Zahlen.
Was ist die TER eines Fonds?
Die TER (Total Expense Ratio) ist der jährliche Prozentsatz, den ein Investmentfonds oder ETF vom verwalteten Vermögen einbehält. Sie deckt Verwaltung, Verwahrung und sonstige laufende Kosten ab und wird automatisch vom Nettoinventarwert des Fonds abgezogen: Sie sehen diese Kosten nie als separate Abbuchung, aber sie sind da und mindern jedes Jahr leise Ihre Rendite.
Ein Indexfonds, der den S&P 500 oder den MSCI World abbildet, hat in der Regel eine TER zwischen 0,07% und 0,3%. Ein vergleichbarer aktiv verwalteter Fonds kann zwischen 1% und 2% verlangen, manchmal mehr, wenn zusätzlich eine Erfolgsgebühr anfällt.
Wie aus 1% Unterschied Zehntausende Euro werden
Stellen Sie sich zwei Personen vor, die 1.000 € zu Beginn und danach 200 € monatlich für 25 Jahre investieren, beide mit einer Bruttorendite von 7% pro Jahr. Der einzige Unterschied sind die Kosten ihres Fonds:
| Fonds | Kosten (TER) | Nettorendite | Endwert nach 25 Jahren |
|---|---|---|---|
| Aktiv verwalteter Fonds | 1,5% | 5,5% | ~132.000 € |
| Indexfonds | 0,15% | 6,85% | ~164.000 € |
Unterschied: über 31.000 € — ohne einen einzigen Euro mehr eingezahlt zu haben. Die einzige veränderte Variable sind die Kosten.
Warum das passiert: Die TER wird nicht einmalig abgezogen, sondern jedes Jahr von einem immer größeren Kapital. Es ist derselbe Mechanismus, der den Zinseszins wachsen lässt — nur wirkt er hier gegen Sie.
Der Effekt beschleunigt sich mit der Zeit
Nach 10 Jahren beträgt der Unterschied zwischen den beiden Fonds im Beispiel nur wenige Tausend Euro. Nach 25 Jahren explodiert er. Je länger Ihr Anlagehorizont ist — bei einem Pensionsfonds oder Altersvorsorgeplan können das 30 oder 40 Jahre sein —, desto entscheidender werden die Kosten im Vergleich zu fast jeder anderen Entscheidung, die Sie treffen.
Indexfonds vs. aktiv verwaltete Fonds
Indexfonds haben in der Regel niedrigere Kosten, weil sie einen Index automatisch nachbilden, ohne ein Analystenteam zu benötigen, das Entscheidungen trifft. Das bedeutet nicht, dass aktives Management grundsätzlich schlecht ist, aber es setzt eine zusätzliche Hürde: Ein aktiver Manager muss den Index nach Abzug von mehrfach höheren Kosten schlagen — etwas, das den meisten laut zahlreichen Vergleichsstudien (unter anderem SPIVA) langfristig nicht konsistent gelingt.
Die TER ist nicht der einzige Kostenfaktor
Sie ist langfristig der wichtigste, aber nicht der einzige:
- Ausgabe- oder Rücknahmegebühren, falls der Fonds sie erhebt.
- Die Geld-Brief-Spanne bei ETFs, der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis.
- Broker- oder Plattformgebühren, wo auch immer Sie handeln.
Rechnet man all diese Kosten zusammen, ergibt sich ein realistischeres Bild dessen, was Investieren tatsächlich kostet.
Und die Steuern?
Wie Gewinne aus Fonds und ETFs besteuert werden, hängt vom Wohnsitzland des Anlegers ab, sodass es keine universelle Antwort gibt. Konstant ist überall, dass die TER vor der Berechnung eines Gewinns oder Verlusts für Steuerzwecke abgezogen wird — die Auswirkung der Kosten ist also völlig unabhängig davon, wie Sie danach besteuert werden.
Berechnen Sie die Auswirkung für Ihren eigenen Fall
Die Zahlen ändern sich je nach Ihrem Startkapital, Ihrer monatlichen Sparrate und Ihrem Anlagehorizont. Statt sich auf ein generisches Beispiel zu verlassen, probieren Sie unseren Fonds- und ETF-Kostenrechner: Vergleichen Sie zwei Fonds mit Ihren eigenen Zahlen und sehen Sie genau, wie viele Euro bei jedem Prozentpunkt Kosten auf dem Spiel stehen.