Wenn Sie Aktien, ETFs oder Kryptowährungen in mehreren Käufen im Laufe der Zeit erwerben, verliert man leicht den Überblick, ob die Anlage im Plus oder im Minus liegt. Die Antwort hängt nicht vom Preis Ihres letzten Kaufs ab, sondern von Ihrem durchschnittlichen Einstandspreis — einem einfachen Konzept, das viele Menschen falsch berechnen, oder gar nicht erst berechnen.
Was ist der durchschnittliche Einstandspreis?
Der durchschnittliche Einstandspreis (auf Englisch: average cost) ist der einzelne äquivalente Preis, der alle Ihre Käufe eines Vermögenswerts zusammenfasst, gewichtet nach der in jedem Kauf erworbenen Menge. Es ist nicht der einfache Durchschnitt der Preise: Wenn Sie bei einem Kauf mehr Einheiten erworben haben als bei einem anderen, hat dieser Kauf mehr Gewicht im Endergebnis.
Durchschnittspreis = (Menge₁ × Preis₁ + Menge₂ × Preis₂ + ...) ÷ (Menge₁ + Menge₂ + ...)
Ein Zahlenbeispiel
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen Aktien eines Unternehmens zu drei verschiedenen Zeitpunkten:
| Kauf | Menge | Preis | Kosten |
|---|---|---|---|
| 1 | 10 | 100 € | 1.000 € |
| 2 | 10 | 90 € | 900 € |
| 3 | 5 | 110 € | 550 € |
| Gesamt | 25 | — | 2.450 € |
Ihr durchschnittlicher Einstandspreis beträgt 2.450 € ÷ 25 = 98 € pro Aktie. Liegt der aktuelle Preis bei 105 €, beträgt Ihr nicht realisierter Gewinn (105 − 98) × 25 = 175 € — nicht das, was man vermuten würde, wenn man nur den letzten Kauf zu 110 € betrachtet, der für sich genommen im Minus wäre.
Was ist Dollar-Cost-Averaging (DCA)?
Regelmäßig mit einem festen Betrag zu kaufen, statt das gesamte Kapital auf einmal zu investieren, wird als Dollar-Cost-Averaging (DCA) bezeichnet. Es ist eine der am häufigsten empfohlenen Strategien für alle, die wiederkehrend investieren — zum Beispiel jeden Monat mit einem Teil ihres Gehalts —, weil man dadurch nicht den "besten Zeitpunkt" für den Markteinstieg treffen muss, was selbst Profis selten konstant gelingt.
Bei DCA kaufen Sie bei fallenden Preisen mehr Einheiten für dasselbe Geld und bei steigenden Preisen weniger. Mit der Zeit glättet dies die Auswirkung der Volatilität auf Ihren durchschnittlichen Einstandspreis.
Vor- und Nachteile gegenüber einer Einmalanlage
Für DCA spricht:
- Verringert das Risiko, Ihr gesamtes Kapital kurz vor einem starken Einbruch zu investieren.
- Psychologisch leichter durchzuhalten, besonders in volatilen Märkten wie dem für Kryptowährungen.
- Passt natürlich zu allen, die aus monatlichen Ersparnissen investieren statt aus bereits vorhandenem Kapital.
Dagegen spricht:
- Wenn Sie das gesamte Kapital von Anfang an zur Verfügung haben und der Markt nachhaltig steigt, hat eine Einmalanlage historisch im Durchschnitt mehr abgeworfen, einfach weil das Geld länger investiert ist.
- Es bedeutet mehr Transaktionen, was mehr Gebühren bedeuten kann, wenn Ihr Broker pro Transaktion abrechnet.
Durchschnittlicher Einstandspreis und Steuern
Wenn Sie nur einen Teil Ihrer Einheiten verkaufen, verwenden viele Länder den durchschnittlichen Einstandspreis (oder andere Methoden wie FIFO, "first in, first out"), um den Gewinn oder Verlust für steuerliche Zwecke zu berechnen. Die genaue Methode variiert je nach Wohnsitzland und Anlageklasse, daher lohnt es sich, die lokalen Vorschriften vor dem Verkauf zu prüfen — besonders wenn Sie zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten und Preisen gekauft haben.
Berechnen Sie jetzt Ihren durchschnittlichen Einstandspreis
Statt bei jedem Kauf von Hand zu rechnen, nutzen Sie unseren Durchschnittspreis-Rechner: Geben Sie Ihre Käufe und den aktuellen Preis ein und erhalten Sie sofort Ihren Durchschnittspreis, Ihren nicht realisierten Gewinn oder Verlust und den Gesamtwert Ihrer Position.