Wer schon einmal eine Hypothek oder einen Kredit in Spanien aufgenommen hat, kennt das Bild: Zwei Prozentzahlen stehen nebeneinander im Angebot, TIN und TAE. Sie sehen ähnlich aus, sind es aber nicht — und genau diese Differenz verrät, was der Kredit wirklich kostet.
TIN: der reine Zinssatz
Der TIN (Tipo de Interés Nominal) ist schlicht der Zinssatz, mit dem die Bank die Zinsen auf die noch offene Restschuld berechnet. Bei einer Hypothek mit 3 % TIN werden die Zinsen jeder Rate mit diesen 3 % errechnet.
In der Werbung ist der TIN meist die größer gedruckte Zahl, weil er in der Regel die niedrigere von beiden ist. Allein sagt er aber wenig über die tatsächlichen Kosten aus: Gebühren, Zusatzkosten und wie oft überhaupt abgerechnet wird, tauchen darin nicht auf.
TAE: was am Ende wirklich bezahlt wird
Der TAE (Tasa Anual Equivalente) schließt genau diese Lücke. Er ist gesetzlich vorgeschrieben und fasst TIN, Gebühren (Bearbeitungsgebühr, teils Verwaltungskosten) und den Zahlungsrhythmus in einer einzigen Jahresprozentzahl zusammen.
Weil er standardisiert ist, eignet sich der TAE zum Vergleich von Angeboten verschiedener Banken. Zwei Kredite mit identischem TIN können trotzdem unterschiedliche TAE haben — etwa weil einer eine Bearbeitungsgebühr verlangt und der andere nicht, oder weil einer monatlich, der andere vierteljährlich abrechnet.
Das spanische Recht verlangt, dass der TAE bei jedem Kredit- oder Hypothekenangebot deutlich sichtbar ausgewiesen wird — gerade damit sich Gebühren nicht hinter einem attraktiven TIN verstecken können.
Ein Rechenbeispiel
Zwei Privatkredite über 10.000 € mit 5 Jahren Laufzeit:
| Kredit A | Kredit B | |
|---|---|---|
| TIN | 6,00 % | 6,50 % |
| Bearbeitungsgebühr | 2 % (200 €) | 0 % |
| TAE (ungefähr) | 6,9 % | 6,5 % |
Kredit A wirkt günstiger, weil der TIN niedriger ist. Rechnet man die Bearbeitungsgebühr dazu, liegt sein TAE aber über dem von Kredit B. Wer sich nur am TIN orientiert, greift zur teureren Option.
Warum der TIN allein nicht reicht
Banken wissen, dass der TIN die auffälligere Zahl ist. Deshalb wird ein niedriger TIN nicht selten durch höhere Gebühren an anderer Stelle ausgeglichen. Typisch ist das bei:
- Hypotheken mit Bearbeitungsgebühr oder solchen, deren niedriger TIN an Zusatzprodukte gekoppelt ist (Versicherung, Kreditkarte, Gehaltseingang).
- Privatkrediten mit Bearbeitungs- oder Antragsgebühr, die im TIN gar nicht auftaucht.
- Konsumentenkrediten (Elektrogeräte, Autos), bei denen der TIN sehr niedrig oder sogar 0 % sein kann, der TAE aber die ausgleichenden Gebühren zeigt.
Beim Vergleich mehrerer Angebote lautet die richtige Frage deshalb nicht „Wer hat den niedrigsten TIN?", sondern „Wer hat den niedrigsten TAE?"
Wann der TIN trotzdem zählt
Das heißt nicht, dass der TIN unwichtig wäre. Wer vorzeitig zurückzahlt, bekommt bereits gezahlte Bearbeitungsgebühren nicht zurück — je früher man tilgt, desto stärker schlägt also der TIN im tatsächlichen Kostenanteil durch. Und bei gebührenfreien Krediten liegen TIN und TAE ohnehin nah beieinander, sodass der Unterschied kaum noch ins Gewicht fällt.
Für einen schnellen Vergleich zwischen Angeboten bleibt der TAE die Zahl, die die Gesamtkosten am besten zusammenfasst. Der TIN hilft eher zu verstehen, wie sich die monatliche Rate zusammensetzt — nicht dabei, welches Angebot wirklich günstiger ist.
So nutzt man das beim Vergleich von Hypotheken oder Krediten
Vor jeder Unterschrift lohnt sich der Blick ins Europäische Standardisierte Merkblatt (FEIN) bei Hypotheken — dort muss der TAE laut Gesetz klar ausgewiesen sein. Und beim Vergleich mehrerer Angebote: TIN, Gebühren und TAE jeweils nebeneinander notieren. Entscheidend ist am Ende die letzte Spalte.
Wer sehen möchte, wie sich monatliche Rate und Gesamtkosten je nach Zinssatz und Laufzeit verändern, kann das im Hypothekenrechner oder im Hypothekenvergleich durchspielen — mit verschiedenen TIN- und Gebührenszenarien und dem tatsächlichen Effekt auf das eigene Budget.