Nachdem ich darüber geschrieben habe, warum Trading keine Investition ist, denkt sich vielleicht jemand: Okay, ich kann keinen Chart lesen, aber was, wenn ich einfach jemanden kopiere, der es kann?
Genau das verspricht Copytrading. Und ja, das hab ich auch ausprobiert.
Was ist Copytrading überhaupt?
Die Idee ist simpel: Du suchst dir auf einer Plattform einen Trader aus, gibst ihm einen Betrag, und ab dann macht dein Depot automatisch alles nach, was er macht. Steckt er 5 % seines Portfolios in Nvidia, steckst du 5 % deines Betrags in Nvidia. Verkauft er, verkaufst du. Du selbst machst gar nichts.
eToro ist wahrscheinlich die bekannteste Plattform dafür (die Funktion heißt CopyTrader), und die habe ich auch genutzt.
Falls du die Plattform nicht kennst: Hier steht, was eToro ist, was es kostet und welche Risiken es hat.
Auf dem Papier klingt das super. Ein „Profi" verwaltet dein Geld, du siehst seine Rendite der letzten Jahre, seinen Risikowert, wie viele Leute ihn kopieren … Fast wie die Auswahl eines Fonds, nur dass der Fonds ein Gesicht und einen Benutzernamen hat.
Meine Erfahrung: 500 $ zum Testen
Ich bin nicht blind reingesprungen. Ich habe 500 $ eingezahlt, um zu sehen, wie das läuft, und als es gut aussah, habe ich angefangen, monatlich nachzulegen. Im Grunde dasselbe wie mit meinen ETFs, nur dass das Ziel eine Person statt eines Index war.
Bei der Auswahl habe ich auf das Übliche geachtet: Rendite über mehrere Jahre (nicht nur das letzte), ein vernünftiger Risikowert, kein Dauer-Zocker mit hundert Trades am Tag, und ein Portfolio, das auch von innen betrachtet Sinn ergab.
Ergebnis? Ich habe Geld verdient. Ich tue jetzt nicht so, als wäre es anders gewesen, nur damit der Artikel dramatischer wird.
Aber nur weil es gut gegangen ist, war es noch keine gute Idee. Die Lektion hatte ich schon beim Trading gelernt, und hier gilt sie genauso.
Das Problem: alle Eier in einem Korb
Mit einem MSCI-World-ETF kaufst du ein kleines Stück von rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wenn eins davon abschmiert, merkst du es kaum.
Wenn du einen Trader kopierst, setzt du auf eine einzige Person. Auf ihr Urteil, ihre Laune, ihre Glückssträhne. Steckt sie diesen Monat das halbe Portfolio in eine Aktie, bei der sie ein gutes Gefühl hat, hast du sie auch. Liegt sie falsch, liegst du mit ihr falsch. Hat sie irgendwann keine Lust mehr, ändert die Strategie oder verlässt die Plattform, geht dein Geld hinterher.
Das ist Schein-Diversifikation: Vielleicht sind 20 Aktien im Depot, aber alle sind durch denselben Kopf gegangen.
Und es gibt eine Verzerrung, die man leicht übersieht: Ganz oben in der Rangliste stehen die Trader, die gute Jahre hatten. Keiner zeigt dir die Hunderten, die genauso gut waren … bis sie es nicht mehr waren. Vergangene Renditen – du weißt, wie der Satz weitergeht.
Was dir die Werbung nicht sagt
Ein paar Dinge, die du wissen solltest, bevor du irgendwen kopierst:
- Das Kopieren selbst kostet bei eToro nichts extra, die Trades aber schon. Du zahlst dasselbe, als würdest du sie selbst ausführen: Spreads, Übernachtgebühren bei CFDs oder gehebelten Positionen, Währungsumrechnung, wenn dein Geld in Euro ist und das Konto in Dollar läuft … Je mehr dein Trader handelt, desto teurer wird es für dich.
- Der Trader verdient an dir. eToro hat ein „Popular Investor"-Programm, das Trader danach bezahlt, wie viel Geld Leute bei ihnen kopieren. An sich nichts Schlimmes, aber sei dir bewusst, dass er einen Anreiz hat, dich anzulocken.
- Es gibt einen Mindestbetrag pro Kopie (bei eToro meist 200 $), also braucht man zum Streuen über mehrere Trader mehr Geld, als man denkt.
- Steuern werden kompliziert. Jedes Mal, wenn der Trader eine Position mit Gewinn schließt, hast du einen Gewinn zu versteuern, und ein aktiver Trader kann davon Dutzende im Jahr produzieren. Wie das besteuert wird, hängt komplett von deinem Wohnsitzland ab – informier dich also vorher über deine Regeln.
- Du kannst einen Stop-Loss für die Kopie setzen. Mach das. So sagst du: „Wenn ich mehr als X verliere, ist Schluss."
Würde ich es also empfehlen?
Für den Großteil deines Geldes: nein. Da bin ich nach wie vor überzeugt, dass langweilig gewinnt – automatische monatliche Sparraten in Indexfonds, niedrige Kosten, und der Zinseszins erledigt über Jahrzehnte den Rest. Wenn du sehen willst, wie viel hohe Gebühren über 30 Jahre auffressen, schau dir den Fondskostenrechner an. Ist ein bisschen gruselig.
Als Experiment mit einem kleinen Betrag, den du verlieren könntest? Da schon. So habe ich es gemacht: ein bisschen zum Testen und Sparraten, die mir keine schlaflosen Nächte bereitet haben. Du lernst, wie jemand mit mehr Erfahrung handelt, siehst ein Portfolio von innen und verstehst das Risiko, das du eingehst, viel besser.
Was ich nie tun würde: das Eigenkapital für die Wohnung dort reinstecken, nur weil jemand letztes Jahr +40 % gemacht hat. Wer jemanden kopiert, wird das Risiko nicht los. Nur die Kontrolle.
Wenn du es trotzdem mit einem kleinen Teil ausprobieren willst, kannst du dich mit meinem Link bei eToro anmelden (Empfehlungslink: Ich bekomme eine kleine Prämie, dich kostet es nichts extra). Starte ohne Hebel und setz einen Stop-Loss auf die Kopie.
CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit einem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Ein erheblicher Teil der Konten von Privatanlegern verliert beim CFD-Handel Geld. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse. Dies ist keine Finanzberatung.